„Die Glut weitertragen - Meine Tradition ist die gesamte Musik“

(Wolfgang Rihm)

Die Welt des Streichquartetts bildet für Kenner und Liebhaber ein Mysterium der besonderen Art. Dieses als Königsdisziplin der Kammermusik apostrophierte Genre erlebt zu Beginn unseres Jahrtausends eine neue Blüte, die in ihrer Intensität gerne mit dem Aufkommen des Streichquartetts am Ende des 18. Jahrhunderts verglichen wird. In der westlichen Hemisphäre haben sich hauptberufliche Quartettformationen etabliert, denen junge, hervorragend ausgebildete Quartette nacheifern. Die Zahl der hauptberuflichen Streichquartette wächst.  Sie konzertieren weltweit und bringen großartige Musik in die Konzertsäle und einem interessierten Publikum nahe. Über die Qualität sind wir uns alle einig und so passen noch heute Goethes Worte „Man hört vier vernünftige Leute sich unterhalten … „ für diese wunderbare Art des Musizierens.

Selten aber werden die Arbeitsbedingungen beleuchtet, fällt die fehlende Lobby dieser Berufsmusiker_innen auf. Orchestermusiker_innen sind gewerkschaftlich organisiert, Musiklehrer_innen haben feste Anstellungen, die freien Ensembles aber sind finanziell auf sich gestellt und gerade in Zeiten wie diesen, in denen eine weltweite Pandemie den ganzen Kulturbetrieb aus den Angeln hebt, ohne jede Unterstützung.

Der Verein Festival4, der sich bereits vor Corona als Förderverein des VdSQ (Verband der Streichquartette und weiterer Kammermusik-Ensembles e.V.) in der Gründungsphase befand, wird aktuell umso mehr gebraucht. Wir wollen die hauptberuflichen Quartette unterstützen, uns für sie einsetzen, dass sie weiterhin zusammenarbeiten können und ein finanzielles Auskommen haben. Junge Streichquartette, die in der Regel zehn Jahre brauchen, um sich zu etablieren und finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, wollen wir helfen mit Konzerten und vernetzten sie mit etablierten Quartetten. Gleichzeitig appellieren wir an eine Hörerschicht, sich mutig auf neue Kulturprojekte einzulassen und sich von der Qualität und der Dynamik dieser Formationen mitreißen zu lassen. Diese Musikszene ist kreativ, auf der Tradition aufbauend, aber vorwärtsgewandt – Tradition und Innovation! „Die Kunst will, dass wir nicht stehen bleiben!“ (Ludwig van Beethoven)

Das Streichquartett bildet die Idealbesetzung für musikalischen Dialog – schon immer haben Komponist_innen in dieser Gattung Neues erprobt. Das wollen wir unterstützen und für die Kammermusik eine Lanze brechen. Sie ist nicht elitär, sondern sie verbindet: Musiker_innen, Publikum und die verschieden Sparten der Kunst.

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